Armin Mueller-Stahl

Schauspieler

*17.12.1930  Tilsit, Ostpreußen (heute Sowetsk, Russland)


Biografie

Armin Mueller-Stahl wird am 17. Dezember 1930 als drittes von fünf Kindern in Tilsit geboren. In das heutige Sowetsk in Kaliningrad war die Familie seiner Mutter 1918 geflohen, sein Vater ist ein ostpreußischer Bankbeamter. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beendet Mueller-Stahl 1948 seine Schullaufbahn in Prenzlau, das nach dem Krieg in Trümmern liegt.

Zunächst bereitet sich Armin Mueller-Stahl auf eine Zukunft als professioneller Geiger vor. Er geht nach Berlin und studiert dort am Städtischen Konservatorium Musikwissenschaft und Violine. 1949 macht er sein Examen zum Musiklehrer. Als er sich um ein Schauspielstudium bemüht, muss er nach einem Jahr "wegen mangelnder Begabung" abbrechen. Als er sich jedoch 1952 um ein Engagement am “Theater am Schiffbauerdamm” bei Helene Weigel bewirbt, der Intendantin des Hauses und Mitbegründerin des Berliner Ensembles, erhält er nach einem Vorstellungsgespräch eine Festanstellung.

Ab 1955 steht er für Produktionen der DEFA auch vor der Kamera. Einem größeren Publikum wird er erstmals bekannt durch den Mehrteiler “Flucht aus der Hölle”, in dem er einen westdeutschen Fremdenlegionär im Algerienkrieg spielt, der in die DDR flieht. In der Folgezeit steht er oft mit Manfred Krug vor der Kamera, so 1960 in “Fünf Patronenhülsen” des Regisseurs Frank Beyer. Mit dem renommierten Regisseur dreht er auch 1963 Nackt unter Wölfen und weitere Filme. Er entwickelt sich zu einem Publikumsmagnet und wird fünfmal in Folge zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt. 1973 heiratet er in zweiter Ehe Gabriele Scholz und wird 1974 Vater eines Sohnes.

Im sozialistischen Gegenentwurf zu James Bond, der Fernsehserie “Das unsichtbare Visier”, verkörpert er von 1973-1975 einen Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit. 1975 kürt man ihn zum DDR-Fernsehkünstler des Jahres. Als er sich ein Jahr später gemeinsam mit anderen prominenten Künstlern wie Thomas Brasch, Hilmar Thate und Katharina Thalbach öffentlich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns einsetzt, bedeutet das seinen Bruch mit der DDR. 1980 wird sein Ausbürgerungsantrag bewilligt. Bis dahin bekommt er kaum mehr Rollenangebote. Die Zeit des Wartens und der Zwangspause beschreibt er in seiner Biografie “Verordneter Sonntag”.

Nach seiner Ausreise mit Frau und Sohn in die BRD knüpft Armin Mueller-Stahl an seine Erfolge als Schauspieler an. 1981 erhält er den Bundesfilmpreis für seine Rolle in “Lola”, einem Film über Eigennutz und wirtschaftliche Machenschaften in einer bayerischen Kleinstadt von Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Es folgen weitere bedeutende Kino- und TV-Rollen, national wie international. 1983 spielt er in der französischen Produktion “Der verführte Mann” ("L’Homme blessé"). 1986 ist er in der Michael-Ende-Verfilmung “Momo” als Chef der grauen Herren zu sehen.

Ende der 80er Jahre beginnt Mueller-Stahl, mit zunächst geringen Englischkenntnissen, seine Chancen in den USA auszutesten. 1990 ist er in seinem zweiten Hollywood-Film “Avalon” ein russisch-jüdischer Immigrant, der es zu Wohlstand gebracht hat, sich aber zunehmend in den Veränderungen der Zeit verliert. 1991 spielt er in “Night on Earth” von Jim Jarmusch den verträumten, melancholischen, ostdeutschen New Yorker Taxifahrer Helmut Grokenberger, der an der Automatik seines Wagens scheitert und die nächtlichen Lichter der Stadt bewundert. Armin Mueller-Stahl pendelt fortan zwischen den Kontinenten und setzt seine Karriere international fort. 1996 ist er in Der Unhold von Volker Schlöndorff zu sehen, 1997 erhält er eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller für seine Rolle in “Shine - Der Weg ans Licht”. Darin spielt er nach einer wahren Geschichte den Vater des hochbegabten, psychisch kranken Pianisten David Helfgott.

Ebenfalls 1996 ist er einmalig selbst als Regisseur tätig. Der Film “Gespräch mit dem Biest” (“Conversation with the Beast”) kreiert ein fiktives Rollenspiel, in dem ein noch lebender, greiser Adolf Hitler, den Mueller-Stahl selbst spielt, Hitler-Doubles in seinen Bunker einlädt. Ein amerikanischer Journalist versucht in einem zehntägigen Interview herauszufinden, ob er den wahren Hitler vor sich hat. Als Doubles treten unter anderem Otto Sander und Harald Juhnkeauf.

2001 erhält er den Grimme-Preis als bester Darsteller für seine Rolle als Thomas Mann in dem Fernseh-Dreiteiler “Die Manns – Ein Jahrhundertroman”. 2008 spielt er in der Kinoadaption "Die Buddenbrooks" das Familienoberhaupt, den Patriarchen Johann Buddenbrook. In dem Polit-Thriller “The International” von Tom Tykwer spielt er den ehemaligen Stasi-Offizier Wilhelm Wexler.

Armin Mueller-Stahl widmet sich nahezu seit Beginn seiner Karriere neben der Schauspielerei auch dem Schreiben, Musizieren und Malen. Er schreibt die Bücher “Drehtage”, “Unterwegs nach Hause”, "In Gedanken an Marie Louise" und "Hannah”. Sein Repertoire reicht dabei von autobiographischen Erzählungen bis hin zu Belletristik. Seine Zeichnungen und Aquarelle präsentiert Mueller-Stahl erstmals 2001 anlässlich seines 70. Geburtstags im Filmmuseum Potsdam. Es folgen Ausstellungen in der Kunsthalle Mannheim, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg oder der Los Angeles Municipal Art Gallery. Er sagt über sein künstlerisches Werk: „Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen.“

2010 erhält er einen Stern auf dem Boulevard der Stars am Potsdamer Platz, 2011 die “Goldene Kamera” für sein Lebenswerk. Armin Mueller-Stahl besitzt neben der deutschen die amerikanische Staatsbürgerschaft und lebt abwechselnd in Sierksdorf an der Lübecker Bucht, in Pacific Palisades bei Los Angeles und in Berlin-Köpenick.

Bild: Armin Mueller-Stahl in Der Unhold

Filmografie