Bernd Eichinger

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent

*11.04.1949  †24.01.2011


Biografie

Der deutsche Filmproduzent Bernd Eichinger stand hinter unzähligen nationalen und internationalen Filmprojekten und war darüber hinaus als Drehbuchautor und Regisseur tätig.

Am 11. April 1949 wird der Sohn eines Arztes und einer Lehrerin im schwäbischen Neuburg an der Donau (heute Oberbayern) geboren. Als Elfjähriger kommt er in ein katholisches Internat im Bayerischen Wald, welches er jedoch als Siebzehnjähriger, kurz vor dem Abitur, verlassen muss. Daraufhin wechselt er an ein Münchner Gymnasium, wo er 1970 seine Schullaufbahn mit der allgemeinen Hochschulreife beendet. In der erst wenige Jahre zuvor gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film bewirbt er sich mit einem 30minütigen Spielfilm, der von seiner Zeit im Internat inspiriert ist. Er erhält 1970 aus 400 Bewerbern einen der elf Studienplätze und bezeichnet sein dreijähriges Studium im Nachhinein "als Offenbarung".

Für seinen Abschlussfilm „Weihnachtsmärchen“ 1973 schreibt er nicht nur das Drehbuch und führt Regie , sondern übernimmt auch eine Rolle an der Seite von Marquard Bohm, der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder bekannt ist. Während seines Studiums arbeitet Eichinger zudem als Produktionsleiter für seine Kommilitonen, darunter Uli Edel, und als Aufnahmeleiter in den Bavaria Studios. Für Hans W. Geißendörfer schreibt er das Drehbuch zu „ Periham – die zweite Chance“ und „Die Eltern“. Auch nach seinem Studienabschluss 1973 arbeitet er weiter als Drehbuchautor und ist Produktionsleiter beim Bayerischen Fernsehen.

1974 gründet er gemeinsam mit Peter Genée die "Solaris- Film- und Fernsehproduktion oHG" und etabliert sich als einer der wichtigsten Produzenten des Neuen Deutschen Films. 1978 wird der von ihm produzierte Film „Die gläserne Zelle“ des Regisseurs Hans W. Geißendörfer als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Er produziert Filme von Wim Wenders, Edgar Reitz, Hans-Jürgen Syberberg, Roland Klick und Alexander Kluge. Schließlich kauft er 1978 einen großen Teil der im Jahr zuvor Konkurs gegangenen Constantin Film. Er wird Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma, die sich nun „Neue Constantin Film GmbH“ nennt. Sein erster für die Firma produzierter Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird ein internationaler Erfolg. 

1984 gelingt der Durchbruch ins internationale Geschäft mit der Roman-Verfilmung „Die unendliche Geschichte“. 1985/1986 realisiert er sein bis dahin größtes internationales Projekt, die Verfilmung von Umberto Ecos "Der Name der Rose" mit Jean-Jacques Annaud als Regisseur und Sean Connery und Christian Slater in den Hauptrollen. In den folgenden zwanzig Jahren folgen internationale Großprojekte wie „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ und „Das Geisterhaus“ mit Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons und Winona Ryder in den Hauptrollen ebenso wie deutsche Komödien, darunter „Der bewegte Mann“. In dem von Eichinger produzierten „Manta Manta“ hat Til Schweiger seine erste Hauptrolle in einer Kinoproduktion. 1996 führt Bernd Eichinger zum ersten Mal seit seiner Studienzeit Regie. Das Fernsehdrama „Das Mädchen Rosemarie“ ist zugleich das Debüt von Nina Hoss in einer Hauptrolle.

1999 geht die Constantin Film an die Börse und Bernd Eichinger wird Vorstandsvorsitzender. 2001 feiert der Produzent mit der Komödie „Der Schuh des Manitu“ seinen größten finanziellen Erfolg. Mit 11,7 Millionen Besuchern und 65 Millionen Euro Umsatz an den Kinokassen gilt der Film als einer der erfolgreichsten deutschen Filme seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Als Koproduzent ist Eichinger 2003 an Caroline Links Drama "Nirgendwo in Afrika" beteiligt, das schließlich den Oscar als bester fremdsprachiger Film erhält.

In den folgenden Jahren schreibt Eichinger wieder vermehrt Drehbücher. 2003 entwickelt er das Buch zu „Der Untergang“, den er mit dem Regisseur Oliver Hirschbiegel realisiert und der eine Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film erhält. 2006 folgt „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“, zu dem Eichinger gemeinsam mit Andrew Birkin und dem Regisseur Tom Tykwer das Drehbuch verfasst. "Der Baader Meinhof Komplex", dessen Drehbuch aus Eichingers Feder stammt, wird 2009 für den Oscar, den Golden Globe Award, sowie den British Academy Film Award in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

Am 24. Januar 2011 stirbt Bernd Eichinger mit 61 Jahren in Los Angeles an einem Herzinfarkt. Zu seinen Ehren wird seit 2012 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises der „Bernd Eichinger Preis“ vergeben. Die Stadt München benennt 2012 den Platz vor der Hochschule für Fernsehen und Film in Bernd-Eichinger-Platz um. Der Dokumentarfilm „Der Bernd“ und die von seiner Witwe veröffentlichte Biografie „BE“ zeichnen Arbeit und Leben Eichingers nach.

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