Chris Howland

Schauspieler

*30.07.1928  †30.11.2013


Biografie

Der britische Moderator und Schaupieler Chris Howland wird am 30.07.1928 in London geboren. Er wächst im Süden von England auf, sein Vater ist Redakteur bei der BBC. Nach dem zweiten Weltkrieg wird Chris Howland zum Armeedienst eingezogen und landet als Artillerist im besetzten Deutschland. Er bewirbt sich beim Radiosender der Britischen Armee BFN (British Forces Network), die gerade Sprecher suchen. Er bekommt den Job und tritt seine Stelle in Hamburg beim BFN an. Dort wird er schnell zu einem beliebten Moderator, der zeitgenössische Musik und britischen Humor kombiniert. So gewinnt er vor allem das deutsche Publikum für sich und hat eine wachsende Zuhörerschaft. 1952 verspricht er dem Programmchef des Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) die verlorene Zuhörerschaft - mehr als eine Million - für den Sender zurückzuerobern. Seine erste Sendung dort heißt “Rhythmus der Welt”, sein Job auf deutsch “Schallplattenjockey”. Später wechselt er mit dem BFN nach Köln und arbeitet dort auch weiterhin für den NWDR, nach dessen Spaltung in WDR und NDR ab 1956 nur noch für den WDR.

1959 kehrt Howland nach Großbritannien zurück und leitet dort eine Talkshow. Doch zwei Jahre später entscheidet er sich endgültig für Deutschland als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Den stark kultivierten britischen Akzent und Humor bringt er fortan auch in seine Film- und Fernsehrollen ein. "Musik aus Studio B", seine Radiosendung beim WDR, kann er fürs Fernsehen adaptieren; dort empfängt er internationale Stars und stellt musikalische Neuerscheinungen vor. Auch die Sendung “Vorsicht Kamera”, die er ab 1961 moderiert, wird ein Publikumserfolg. Doch der Vizekanzler und WDR-Rundfunkrat Erich Mende (FDP) sieht darin eine Verletzung der Intimsphäre der unfreiwilligen Mitspieler und setzt 1963 durch, dass die Sendung abgesetzt wird.

Howlands berühmteste Filmrolle ist die des Butlers Archie in den Karl-May-Filmen der 60er Jahre. Schon in seinem zweiten Auftritt als Archie in Der Schut von 1964 erhält er die höchste Gage nach Lex Barker. Seine Hollywoodträume jedoch erfüllen sich nie. Er spielt den staubtrockenen Archie noch in Durchs wilde Kurdistan und Im Reiche des silbernen Löwen. So wird Chris Howland im Jahr 2002 mit dem Scharlih ausgezeichnet, ein Preis, mit dem vor ihm auch schon Lex Barker und der Filmproduzent Artur Brauner geehrt wurden und der für besondere Verbundenheit mit dem Karl-May-Erbe auf dem jährlich stattfindenden Karl-May-Fest verliehen wird. Ebenfalls in den 60er Jahre spielt er in den von Artur Brauner produzierten Teilen der (Bryan-)Edgar-Wallace-Verfilmungen mit, so den Geräuschesammler Arnold Wickerley in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" oder den schlauen Reporter Gabby Pennypacker in Der Henker von London. Sein Markenzeichen sind dabei immer schräge, zynisch-trockene Charaktere und der schnarrende britische Akzent, den er laut eigenen Angaben nicht absichtlich beibehält, sondern der der Physiognomie seines Mundes geschuldet sei.

1970 verlässt Howland Deutschland für fünf Jahre. Er errichtet ein Hotel auf Mallorca und baut einen deutschsprachigen Sender mit auf. Dennoch ist diese Zeit, wie er später erzählt, ein persönlicher Tiefpunkt in seinem Leben. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland moderiert Howland weiter Radio- und Fernsehsendungen. 2004 kehrt er schließlich mit "Spielereien mit Schallplatten", seiner alten Sendung aus den 50er Jahren, zum WDR zurück.

2007 ist Chris Howland noch einmal in einem Kinofilm zu sehen. In Neues vom Wixxer schlüpft er erneut in die Rolle eines Butlers. Im Juli 2009 erscheint seine Biografie “Yes, Sir! – Aus dem Leben eines englischen Gastarbeiters”. Dort schreibt er über seine Kindheit in England, vom zerstörten Hamburg, seiner Zeit beim BFN und über sich, den “ersten Gastarbeiter” Nachkriegsdeutschlands. Chris Howland macht neben allen anderen Tätigkeiten auch über zwanzig Jahre hinweg Karriere als Schlagersänger. Unvergesslich bleibt er jedoch als revolutionärer Radiomoderator der Nachkriegszeit, als Kinostar der 60er und als selbstironischer Entertainer.

Bild: Chris Howland in Durchs wilde Kurdistan

Filmografie