Thomas Brasch

„Ich danke der Filmhochschule der DDR für meine Ausbildung“ sagt Thomas Brasch fünf Jahre nach der Ausreise nach Westberlin 1981 in seiner Rede zur Entgegennahme des Bayerischen Filmpreises und wird vom Publikum ausgebuht. Ein anderer Schriftsteller wirft ihm vor, er schreibe bewusst so scharf, um verboten zu werden. Seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Katharina Thalbach, beschreibt ihn als ein „wildes Tier“ und als Menschen, der am Faschismus zu Grunde gegangen sei. Und für den Kunst bedeutete, eine gesellschaftliche Funktion zu haben.

Seine Eltern, beide jüdische Emigranten, lernen sich in England kennen. Thomas Brasch wird 1945 im englischen Exil geboren. Zwei Jahre später siedelt die Familie in die Sowjetische Besatzungszone über, wo sein Vater eine Karriere als SED-Parteifunktionär beginnt. Brasch wird gegen den Wunsch seines Vaters Schriftsteller, stellt 1976 aber den Ausreiseantrag, nachdem seine kritischen Texte in der DDR nicht veröffentlich werden. Er ist einer der ersten, der damit auch auf die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann reagiert.

Einige Jahre nach seiner Übersiedlung nach Westberlin beginnt Thomas Brasch die Arbeit an seinem ersten Spielfilm ENGEL AUS EISEN, für den er schließlich den Bayerischen Filmpreis erhält. In seiner Rede anlässlich der Verleihung sagt Brasch weiter, er sähe in einer Zeit zwischen Waffenstillstand, Krieg und Zerfall der Ordnung größere Widersprüche, als den Umstand, dass er den Preis aus den Händen des Bayerischen Ministerpräsidenten entgegennähme, dessen politische Haltung der seinen entgegengesetzt sei. Seine Arbeit würde weiterhin darauf ausgerichtet sein, den Widerspruch auszuhalten und zu verschärfen. So auch sein nächster Film - DOMINO - für dessen Finanzierung er die 50.000 DM, die er hier bekäme, brauche.

In den Jahren 1981 - 1988 dreht Thomas Brasch vier Filme, die alle fest in Berlin verankert sind. Von Manfred Naegele 1988 in einem Interview auf die Wahl der Stadt Berlin als Heimat angesprochen, antwortet Brasch sinngemäß, man wähle die Stadt, in der man lebe, nicht aus. Es gäbe einfach keinen anderen Ort, an den er gehen könne. Seine Filme sind nüchtern, auf den Punkt, aber niemals zynisch. Er stellt sich nicht über die Dinge. Dennoch hat sein Blick eine Härte, als wolle er absichtlich nichts beschönigen. Er wirkt wie vertieft in seine Vision, seine Gedanken. Fokussiert. Die Themen kreisen um Gesellschaft und Individuum, um persönliche Freiheit und Unfreiheit, um Deutsche Geschichte.

Über seinen Film DER PASSAGIER - WELCOME TO GERMANY schreibt Jochen Kürten für die Deutsche Welle „Wo Roehler und andere Regisseure, die sich in jüngster Zeit mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt haben, uns "eine Wahrheit" vorsetzen wollen, da nähert sich Brasch seinem Sujet mit der einzig annehmbaren Haltung: dem gebrochenen, verschobenen, reflektierenden Blick auf die Dinge.“

Thomas Brasch hinterlässt Filme, die sich einprägen, die Zeitdokument sind und die hinter vordergründig brachialer, fragmentarischer Erzählung von Zerissenheit und Verletzung zeugen.

Extras
Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis
Thomas Brasch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 1981. Die Auszeichnung, die er mit gemischten Gefühlen entgegennimmt, erhält er für ENGEL AUS EISEN, seine erste Arbeit als Regisseur.