Die Anfänge

Die DEFA (Abkürzung von  "Deutsche Film AG") war offiziell die einzige Filmproduktionsfirma der DDR. Sie existierte von 1946 bis zu ihrer Auflösung 1990 – länger als die DDR selbst.

Gegründet wurde die DEFA am 17. Mai 1946 im ehemaligen Althoff-Atelier in Potsdam-Babelsberg:  Sergej Tulpanow, Kulturoffizier bei der Sowjetischen Militäradministration (SMAD), übergab eine Lizenz "für die Produktion von Filmen verschiedenster Gattungen im Bereich der SBZ" an die Gruppe "Filmaktiv", eine Vereinigung engagierter Filmschaffender und Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Das Filmschaffen in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) sollte Grundlagen folgen, die der russische Revolutionsführer Lenin (für ihn war Film die wichtigste aller Künste) aufgestellt hatte:

1. Überführen der Filmproduktion in staatliche Hände

2. Wochenchroniken zur politischen Aufklärung und  zu Fragen von Wissenschaft und Technik

 3. Vermitteln der neuen gesellschaftlichen Ideen durch begeisternde Filme, die das Schöne, sich Entwickelnde und sich Festigende veranschaulichen und das Negative im In- und Ausland geißeln sollten.

Zwischen 1947 und 1953 wurde die Rechtsform der DEFA mehrfach geändert. 1953 wurden einzelne "volkseigene Betriebe" (VEB) gegründet, der wichtigste und größte war der "VEB DEFA-Studio für Spielfilme".

Die Filmschaffenden

Zu den bedeutendsten DEFA-Regisseure gehören Frank Beyer, Wolfgang Staudte, Kurt Maetzig, Konrad Wolf, Volker Koepp, Barbara Junge und Winfried Junge. Zu den bekanntesten Autoren zählen Christa Wolf, Klaus Schlesinger, Fritz Rudolf Fries, Günter Kunert, Franz Fühmann, Günther Rücker, Jurek Becker, Ulrich Plenzdorf, Helga Schütz und Regine Kühn

Die Filme

Die DEFA produzierte über 700 Spielfilme, darunter ca. 150 Kinderfilme, während für das Fernsehen von 1959 bis 1990 über 600 Spielfilme hergestellt wurden. Zudem entstanden ungefähr 750 Animationsfilme und ca. 2.250 Dokumentar- und Kurzfilme sowie Wochenschauen, wobei sich vor allem der Dokumentarfilm zu einem bedeutenden Sektor entwickeln konnte. Die erste DEFA-Produktion war zugleich der erste deutsche Nachkriegsfilm: Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns".  kündigte 1946 eine langjährige Politik der DEFA an: Man wollte aufklären, die Menschen, die den Faschismus mitgetragen hatten, umerziehen. Antifaschismus wurde zum Programm der DEFA.

Die folgenden Jahrzehnte brachten sehr unterschiedliche Entwicklungen innerhalb der auf Einheitlichkeit ausgerichteten DEFA: So kam es neben der durchgängigen Produktion von Unterhaltungsfilmen u.a. zu Produktionen im Stile des Sozialistischen Realismus, zu Märchen- und Literaturverfilmungen, zu dezidiert antifaschistischen Filmen, zu politisch unterfütterten Indianerfilmen, aber auch zu zeit- und gesellschaftskritischen Produktionen, die zu Konflikten und Verboten führten.

Das 11. Plenum

1965 fielen zehn Filme dem berüchtigten 11. ZK-Plenum der SED zum Opfer, darunter "Jahrgang 45", der erste und einzige Spielfilm des Dokumentaristen Jürgen Böttcher . Einige Zeit später wurde auch Frank Beyers "Spur der Steine" verboten - für viele Filmemacher begann eine schwere Zeit. Die Flucht in die Vergangenheit oder in den Westen schien oft der letzte Ausweg zu sein. Anfang der 70er Jahre änderte sich der harte Kurs gegenüber den Autoren und Regisseuren, die Zensurmaßenahmen wurden subtiler. Eingereichte Drehbücher wurden nun nicht mehr einfach abgelehnt, sondern diskutiert, aufgeschoben, geändert.

Die Wendezeit

In den 1980er Jahren führte nicht zuletzt die Öffnung des Filmmarktes der DDR für Westproduktionen zu einer Krise der DEFA. Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes kam schließlich das Ende. Im Juli 1990 wurde die DEFA der Treuhandanstalt zugeschlagen und im August 1992 an einen französischen Medienkonzern verkauft. Am 13. Oktober 1993 feierte mit Herwig Kippings "Novalis – Die blaue Blume" der letzte Spielfilm mit dem DEFA-Signet seine Premiere. Heute wird das Filmerbe der DEFA von der DEFA-Stiftung verwaltet.

 

Titelbild: Heidemarie Wenzel und Herrmann Schreiber in Egon Günthers "Abschied" (DDR 1968)
DEFA-Stiftung/Progress-Filmverleih 

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