Junger Film

Während es Regiegrößen wie Werner Herzog, Doris Dörrie oder Hans-Christian Schmid bereits in die Köpfe und Herzen des Deutschen Kinopublikums geschafft haben, wächst abseits des öffentlichen Bewusstseins kontinuierlich eine neue Generation junger Filmemacher heran.

Für einige von ihnen kommt dann mit einem Überraschungserfolg oder nach langer harter Arbeit an ihrem Abschluss- oder Debütfilm der große Moment: Publikum und Filmschaffende werden auf ihre Arbeit aufmerksam, es hagelt Preise und Auszeichnungen, der eigene Name findet sich in der Presse. Doch selbst dann ist der Sprung noch nicht geschafft. Um sich dauerhaft und wiederkehrend einen Namen zu machen und seine Filme ins Kino und somit unters Volk zu bringen, bedarf es eines langen Atems, Talent und auch etwas Glück. Manche herausragende und wunderschöne Filme, die es auf die Leinwand schaffen, finden ihren Weg zu einem breiten Publikum nur mühsam. Zu groß ist die Konkurrenz und zu hart das Geschäft.

In Deutschland sind acht anerkannte Filmhochschulen im internationalen Filmhochschulverband CILECT (Centre International de Liaison des Ecoles de Cinéma et de Télévision) organisiert: Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, die Hamburg Media School, die Hochschule für Fernsehen und Film München, die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, die Internationale Filmschule Köln, die Kunsthochschule für Medien Köln und die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation mit Standorten in München und Köln.

Jede Schule hat dabei eine individuelle Ausbildung, die bewusst oder unbewusst die Arbeit der studierenden Filmemacherinnen und Filmemacher beeinflussen kann. So wird der bekannte Begriff „Berliner Schule“ mit Absolventen der dffb wie Christian Petzold oder Angela Schanelec in Verbindung gebracht. Zu der „Nouvelle Vague Allemande“, wie die französische Presse die „Berliner Schule“ nennt, zählen aber auch Absolventen der HFF München wie Benjamin Heisenberg und Maren Ade.

Doch nicht nur ein Studium an einer der renommierten Hochschulen kann eine Fahrkarte in den Regieberuf sein. Rainer Werner Fassbinder ist ein sehr prominentes Beispiel für einen der einflussreichsten deutschen Filmschaffenden ohne akademische Filmausbildung.

Junger Film“ ist dem Deutschen Nachwuchs gewidmet. Hier finden sich zum Beispiel Abschlussfilme: die Diplomarbeiten der Studentinnen und Studenten an ihrer Filmhochschule. Sie sind für den einen die Visitenkarte zu einem gelungenen Start ins Berufsleben, für den anderen die letzte Möglichkeit, noch einmal in den geschützten Mauern der Anstalt einen Film zu drehen. Sprich: noch einmal ein filmisches Risiko einzugehen - inhaltlich, formell und dramaturgisch.

Das alleskino-Special „Junger Film“ gibt den leisen Werken und Low-Budget-Filmen ebenso Raum wie den großen Produktionen und preisgekrönten Kinoerfolgen der Nachwuchstalente. Es präsentiert den deutschen Nachwuchs an der Schwelle in eine herausfordernde und hochspannende Welt und zeigt dabei eckige, behutsame, leichtfüßige, naive, humorvolle, unvoreingenommene und vor allem sehr persönliche Filme.

Svenja Klüh

Die Autorin studierte bis 2010 an der HFF München.
Ihr Abschlussfilm „Krähen- und Kalifenjahre ist bei alleskino erhältlich.

Extras
Philip Koch im Interview
Der Regisseur Philip Koch im Interview beim Karlovy Vary Film Festival über die Entstehung seines Abschlussfilms PICCO.