Auf Wiedersehen, Franziska!

Not available
in your country
1941 | 100 min
Drama, Liebesfilm
Helmut Käutner
Handlung
„Auf Wiedersehen, Franziska!“ ist Käutners erstes Melodram, ein kraftvoller, berührender Film mit Marianne Hoppe in der Hauptrolle wie später auch in „Romanze in Moll“. Ein Film aber auch, mit dessen Ende sich Käutner in die ideologischen Nesseln setzte. D...

„Auf Wiedersehen, Franziska!“ ist Käutners erstes Melodram, ein kraftvoller, berührender Film mit Marianne Hoppe in der Hauptrolle wie später auch in „Romanze in Moll“. Ein Film aber auch, mit dessen Ende sich Käutner in die ideologischen Nesseln setzte. Denn die Handlung läuft darauf hinaus, dass die Frau, Franziska (Hoppe), den Mann, Michael (Hans Söhnker), in der Krieg schickt: „Ich habe keinen anderen Wunsch, als dich liebzuhaben und wieder auf dich zu warten, bis du endlich, wenn Frieden ist, für immer bei mir bleibst.“ „Ich habe die pathetischen Dinge, die sprachlichen, noch weggenommen“, sagte Käutner in einem Interview in den 1970er Jahren, „Und in den Dialogen haben wir versucht, es zu vereinfachen mit dem Trick, daß wir sowieso schon zu lang seien. Ich bin nie ein Kämpfer gewesen in diesen Dingen, sondern nur ein cleverer Techniker, der wußte, wie man die schlimmen Dinge vermeiden kann.“ So entschuldigt Käutner den starken nationalsozialistischen Einschlag in den letzten Minuten des Films – und in der Tat ist „Auf Wiedersehen, Franziska!“ in seinem vorangehenden Verlauf ein gefühlsstarkes, nie sentimentales Liebesmelodram, das auch in seinem patriotischen Schluss Zwischentöne, Ambivalenzen einfließen lässt.

Beim Gang durch ihre bayrische Kleinstadt wird Franziska Tiemann von einem Fremden, Michael Reisiger, fotografiert, verfolgt, angeflirtet. Schließlich verschafft er sich Zutritt in ihr Haus, indem er gegenüber dem Herrn Papa (Fritz Odemar) vorgibt, im Auftrag der Reichsbildstelle für Heimatforschung die Schönheiten der Stadt zu fotografieren. „Ach Franziska, sei doch so lieb und geht mit dem Herrn ins obere Schlafzimmer“, bittet der in aller Unschuld seine Tochter, und wieder beweist sich Käutners Gespür für den rechten Dialogsatz zur rechten Zeit.
Michaels heftige Werbung um Franziska zu Beginn des Films wird von ihr zunächst spröde abgelehnt, in der nächsten Szene küsst sie ihn beim ersten Rendezvous, um ihn dann wieder tagelang von sich zu weisen. Als sie sich das nächste Mal treffen, lädt sie sich zu ihm nach Hause ein, um über Nacht zu bleiben. Doch Michael ist kein Mann, der bleibt, keiner, der bleiben kann. Dass er und Franziska sich ineinander verlieben, ist ein Betriebsunfall. Und ein Wendepunkt in Franziskas Leben: Sie bricht mit dem Vater, zieht nach Berlin, will der Enge der Heimat entfliehen und die Unabhängigkeit spüren. Ein Jahr später kehrt Michael zurück nach Deutschland, findet durch Zufall seine Franziska wieder – das ist der Wendepunkt in seinem Leben: Er macht ihr einen Heiratsantrag, obwohl er wieder fort muss. Er bleibt ein Wanderer in der Welt, Franziska, zwischen charakterlicher Eigenständigkeit und Verstrickung ins Schicksal der Liebe, wartet auf seine Rückkehr für ein paar Stunden und bangt dann dem unausweichlichen Abschied entgegen.

Das Prinzip des Films beruht auf der Gegensätzlichkeit, auf Widersprüchlichkeiten, auf der Umkehrung von Gefühlen, dem Pendeln zwischen Extremen. Dass er dennoch so stringent, psychologisch so schlüssig ist, liegt an der starken Charakterisierung der Figuren wie auch am klugen und geschickten Umgang mit der Zeit. Keiner der Protagonisten ist bloßes eindimensionales Tränendrüsenfutter, reine Funktion für die Handlung; und die zeitliche Struktur hilft, zu verstehen, sich einzufühlen, sich einzulassen auf das Leid einer verlassenen Liebenden. Marianne Hoppe, schön, aber herb, verschlossen, doch nicht kalt, nimmt dabei nicht die reine Opferrolle ein; und Hans Söhnker, weltgewandt, zielbewusst, siegessicher, ist nicht der schlimme Verführer. Zwei Seelen schlagen in den beiden Figuren: Franziska ist eine Kleinstadtpflanze, doch in ihr ist ein Sehnen, ein Warten, ein Wille zur Welt – zum Heiratsantrag von Christoph, einem Freund des Vaters (Rudolf Fernau), sagt sie nicht ja und nicht nein, die schlimmste der möglichen Formen von Ablehnung. (Auch dieser Christoph ist in Bezug auf Franziska ein Zurückbleibender, einer, der auf die Liebe, die er erhofft, immer vergeblich wartet). Hans Söhnker wiederum ist nicht nur der leidenschaftliche Abenteurer Mike, der in der Welt zuhause ist, sondern auch Michael, der unbewusst nach etwas Bleibendem sucht, nach etwas, das ein Heim sein könnte. Franziskas beide Seelen A und B treffen auf Michaels Seelen B und C – ob die Schnittmenge für ein gemeinsames Leben reicht, probieren beide in ihrer Ehe aus.

Eine Ehe, die in der Dauer der Jahre irgendwann kaum mehr besteht, in der es ums Warten geht, um die wenigen gemeinsamen Stunden. Die anonymen Sensationen, die Michael auf seinen Reportagereisen aufnimmt, verdichten sich zu historischer Realität im chinesischen Krieg, schließlich in den eingeblendeten Zeitungsschlagzeilen zum Beginn des Angriffs auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg einleitete. Selbstverständlich ist Franziskas Schicksal das vieler deutscher Frauen, deren Mann im Jahr 1941, als der Film in die Kinos kam, im Felde war, sie nur auf kurzen Heimaturlaub besuchte. Ein reiner Heimatfront-Erbauungsfilm ist „Auf Wiedersehen, Franziska!“ dennoch nicht geworden: Sie schickt zwar ihren Michael am Ende wieder fort, just, als er tatsächlich und endgültig bleiben will, als er einfach nicht mehr weggehen kann; mahnt ihn mit den Worten „Jetzt kannst du’s nicht, wo es zum ersten Mal einen Sinn hat!“ an seine vaterländische Pflicht: „Wenn du jetzt gehst, bist du für mich da und für die Kinder.“ Doch sie hat sich, auch das ist klar, inzwischen ans selbstständige Leben gewöhnt. Ihre Liebe hat sich mit dem Verzicht verbunden, hat sich gewandelt in Gefühl, das am besten über die Entfernung funktioniert. Sie schickt ihn fort und kann nun endlich die bleiben, die sie geworden ist.

Harald Mühlbeyer

 
Bilder   
 
 
Andere sahen auch   
 
 

Schreiben Sie Ihre eigene Kundenmeinung

Filmdaten
Regie: Helmut Käutner
Drehbuch: Helmut KäutnerCurt J. Braun
Darsteller: Marianne HoppeHans SöhnkerFritz OdemarRudolf FernauHermann SpeelmansMargot HielscherHerbert HübnerJosefine DoraFrida RichardKlaus Pohl
Kamera: Jan Roth
Schnitt: Helmuth Schönnenbeck
Musik: Michael Jary
Produktion: Hans Tost
Genre: Drama, Liebesfilm
Jahr: 1941
Themenseiten: Großes Kino mit arteFilme der Murnau-StiftungHelmut Käutner
Land: Deutschland
Format: 4:3 SD
Farbe: Schwarz-Weiß
Ton: Deutsch
Untertitel: ohne
FSK: 6
Location Scout