Fritz Lang

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent

*05.12.1890  †02.08.1976


Biografie

Fritz Lang wird als Friedrich Christian Anton Lang 1890 in Wien geboren. Die Entwicklung der Kinematographie, der Aufzeichnung von bewegtem Bild, ist gerade an einen ersten Höhepunkt gelangt. Zwei Jahre vor seiner Geburt, 1888, dreht der Franzose Louis Le Prince die ersten Bilder mit einer Art Filmkamera. Fünf Jahre nach Langs Geburt, 1895, führen die Gebrüder Skladanowsky bereits fünfzehnminütige Filmsequenzen im Berliner Wintergarten vor. Fritz Lang erlebt schließlich als Regisseur den Umbruch vom Stummfilm zum Tonfilm und vom Schwarz-Weiß-Film zum Farbfilm. Fritz Lang erlebt und schreibt Filmgeschichte und ist heute selbst ein Teil von ihr.

Fritz Lang wächst als Sohn des Architekten Anton Lang in Wien auf. Er beginnt nach dem Schulabschluss ein Bauingenieurstudium, wechselt jedoch ein Jahr später an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er Malerei studiert. Er reist viel, wechselt 1911 an die Staatliche Kunstgewerbeschule München und zieht schließlich nach Paris, wo er bei dem Maler Maurice Denis, einem Vertreter des Symbolismus, lernt. 1914 kehrt er als Kriegsfreiwillger nach Wien zurück und wird an der Front eingesetzt. Während seiner militärischen Ausbildung wohnt er bei Dr. Karl Grossmann, einem Anwalt, dessen Interesse für Fotografie und Film ihn nachhaltig inspirieren. Er wird mehrfach für seinen Kriegseinsatz geehrt, beginnt aber nach einer Kriegsverletzung 1916, Drehbücher zu schreiben. Langs Drehbuch für den Kriminalfilm “Die Peitsche” wird 1916 von Adolf Gärtner im Rahmen der Krimi-Serie “Stuart Webbs” der Produzenten Joe May und Ernst Reicher realisiert. Im Anschluss daran kann Fritz Lang weitere Drehbücher an Joe May verkaufen. Zum ersten Mal als Regisseur tätig ist er bei einer Theatergruppe im Rahmen der Truppenbetreuung. Während dieser Zeit lernt er den Filmproduzenten Erich Pommer kennen, der ihn nach Kriegsende als Drehbuchautor nach Berlin holt. 1919 führt Lang das erste Mal Regie bei einem Langfilm, dem Stummfilmdrama “Halbblut”, das heute als verschollen gilt.

In Berlin heiratet Fritz Lang Lisa Rosenthal, die am 25.09.1920 durch einen Schuss aus Langs eigenem Revolver stirbt. Die Umstände zu einem möglichen Selbstmord werden nie aufgeklärt, Fritz Lang ist zu diesem Zeitpunkt schon der deutschen Drehbuchautorin Thea von Harbou zugewandt. Er heiratet sie 1922 und erwirbt dadurch zu seiner österreichischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Die beiden arbeiten fortan zusammen und schreiben Drehbücher zu Filmen wie “Das wandernde Bild”, “Der müde Tod” oder Dr. Mabuse, der Spieler - Teil 1: Der große Spieler, ein Bild der Zeit und Dr. Mabuse, der Spieler - Teil 2: Inferno - Ein Spiel von Menschen unserer Zeit. Die Mabuse-Filme bescheren Lang den internationalen Durchbruch. 1924 bereisen er und Thea von Harbou gemeinsam New York und erkunden die Filmstudios in Hollywood. Langs Science-Fiction-Stummfilm “Metropolis” schließt ästethisch an die visuellen Eindrücke der Reise an. Monumentale Wolkenkratzer bilden eine Großstadt futuristischen Ausmaßes. Dieser Film, der zu Langs bekanntesten Werken gehört, bringt die Universum Film AG (Ufa) durch seinen finanziellen Aufwand an die Grenzen des Ruins. Es kommt zum Bruch und Fritz Lang gründet die Fritz Lang-Film GmbH, mit der er seine nächsten Filme produziert. Die Ufa wird 1927 von Hugenbergs Scherl-Konzern übernommen und verleiht weiterhin Langs Filme.

Spione, ein Agentenfilm, und Frau im Mond, ein Science-Fiction-Film, sind Langs letzte Stummfilme. “Frau im Mond” von 1929 geht dabei als einer der letzten Stummfilme überhaupt in die Filmgeschichte ein. 2001 wird er von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restauriert und mit einer neu eingespielten Musikimprovisation versehen.

Auch an seinem ersten Tonfilm arbeitet Fritz Lang zusammen mit der Drehbuchautorin Thea von Harbou. “M” von 1931 erzählt die Geschichte eines unbekannten Kindermörders, den Peter Lorre verkörpert. In Spanien ist der Film auch unter dem Titel "M – El vampiro de Düsseldorf" und in Italien unter "M – Il mostro di Düsseldorf" bekannt, da Motive des Mörders an den Serienmörder Peter Kürten erinnern, auch bekannt als der „Vampir von Düsseldorf“. Dieser wird 1930 verhaftet und drei Wochen vor der Filmpremiere von “M” unter großem Medieninteresse zum Tode verurteilt. Dennoch ist die Handlung des Films in Berlin angesiedelt. Fritz Lang greift in “M” mit vollen Händen in die Kiste der Möglichkeiten des Tonfilms - so wird der Mörder schließlich an Hand einer Melodie überführt, die er pfeift.

1933 folgt der Film "Das Testament des Dr. Mabuse". Eine Neuverfilmung unter identischem Titel Das Testament des Dr. Mabuse findet 1962 unter der Regie von Werner Klingler statt. Der Figur des Dr. Mabuse, dem Inbegriff des manipulierenden, größenwahnsinnigen Verbrechers, widmet Lang in seiner frühen und späten Karriere verschiedene Werke. “Das Testament des Dr. Mabuse”, das als Parabel auf Machtmissbrauch und die Entstehung des Buches “Mein Kampf” gelesen werden kann, wird am 29. März 1933 auf Befehl von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels von der Filmprüfstelle verboten. Goebbels vermerkt dazu: „Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen."

Er bietet Fritz Lang nach dessen Angaben in einem persönlichen Gespräch "die Führung des deutschen Films" an, woraufhin Lang sich entschließt, ins Exil zu gehen. Er lebt fortan in Paris, seine Ehe mit Thea von Harbou wird 1933 geschieden. In Paris dreht er 1934 mit Erich Pommer den Film “Liliom”. Anschließend siedelt Lang in die Vereinigten Staaten über und erhält 1935 auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Von 1936 bis 1956 dreht er in den Vereinigten Staaten über zwanzig Filme. Darunter ist sein Hollywood-Debüt “Fury” (“Blinde Wut”) für MGM, ein frühes Film-noir-Werk, und Western wie "The Return of Frank James" von 1940 mit Henry Fonda oder "Rancho Notorious" von 1952 mit Marlene Dietrich. In den vierziger Jahren dreht Lang einige Anti-Nazi-Filme, darunter 1943 “Auch Henker sterben”, an dem andere Emigranten wie Berthold Brecht beteiligt sind.

1956 kehrt Fritz Lang nach Deutschland zurück und dreht noch drei Filme mit dem Filmproduzenten Artur Brauner. Die Filme “Der Tiger von Eschnapur” und “Das indische Grabmal “ von 1959 und sein letzter Mabuse-Film “Die 1000 Augen des Dr. Mabuse” von 1960 sind kommerziell erfolgreich. Dennoch bleiben andere Drehbuchprojekte unrealisiert und Fritz Lang kann nicht an seinen künstlerischen Erfolg von Zeiten vor seiner Emigration anknüpfen. Sein letztes Filmprojekt ist die Mitwirkung an Jean-Luc Godards “Le Mépris” (“Die Verachtung”) von 1964, in dem er eine Rolle als Filmregisseur bekleidet und sich selbst spielt.

1971 heiratet Fritz Lang seine Lebensgefährtin Lily Latté, eine Schauspielerin. 1976 stirbt er in Beverly Hills und wird auf dem Forest Lawn Memorial Park in Hollywood beigesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hat Lang sein Augenlicht fast vollständig verloren. 2010 erhält er mit 40 anderen deutschen Filmgrößen einen Stern auf dem "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz in Berlin.

Filmografie