Luggi Waldleitner

Darsteller, Produktionsleitung, Produzent

*12.01.1913  †15.01.1998


Biografie

Ludwig “Luggi” Waldleitner wird am 1. Dezember 1913 in Kirchseeon bei München geboren. Er gilt als einer der erfolgreichsten und bedeutendsten deutschen Filmproduzenten der Nachkriegszeit. Mit seiner Münchener Produktionsfirma “Roxy Film” realisierte Waldleitner über 120 Filmprojekte. Ludwig Waldleitner gilt als einer der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Films und der deutschen Filmpolitik des zwanzigsten Jahrhunderts.

Nachdem ihn seine Mutter schon als Kind ins Kino nahm, entwickelte Waldleitner früh eine starke Affinität zum neuen Medium. Seine erste prägende Erfahrung mit der Filmproduktion macht er erst nach abgeschlossenem Abitur und Handelslehre. Waldleitner lernt Guzzi Lantschner kennen, der in zahlreichen Filmen von Leni Riefenstahl als Kameramann engagiert war. Die Bekanntschaft ermöglichte Waldleitner, Guzzi Lantschner bei den Dreharbeiten von Riefenstahls Dokumentarfilm “Olympia” (1936-1938) zu assistieren.

Nach diversen Jobs im Bereich der Filmproduktion und dem Filmvertrieb gründet Waldleitner 1952 seine eigene Produktionsfirma “Roxy Film” in München. Die erste Produktion der Roxy Film ist der Heimatfilm “Tausend rote Rosen blüh’n” (1952) mit Winnie Markus und O.W. Fischer, mit dem Waldleitner einen großen kommerziellen Erfolg feiert. In den folgenden Jahren produziert Waldleitner neben weiteren deutschen Unterhaltungsfilmen mit populären Leinwandgrößen wie “Bis wir uns wiederseh’n” (1952) mit Maria Schell oder “Die Barrings” (1955) mit Dieter Borsche eine große Anzahl von Literaturverfilmungen. 1955 veröffentlicht Waldleitner seine erste internationale Koproduktion “Oase” mit Michèle Morgan und Carl Raddatz. Seinen großen internationalen Durchbruch gelingt dem Produzenten mit der umstrittenen Satire “Das Mädchen Rosemarie” (1958). Unter der Regie von Rolf Thiele verkörpert Nadja Tiller die Frankfurter Prostituierte Rosemarie Nitribitt und sorgt in der konservativen Adenauer-Ära für einen medialen Skandal. Im Kreuzfeuer der Kritik durch Politik und Presse sowie einstweiligen Verfügungen und Auflagen der freiwilligen Selbstkontrolle genießt der Film jedoch noch größere Aufmerksamkeit und Popularität. Darüberhinaus wurde der Film mehrfach mit internationalen Filmpreisen (u. a. der Kritikerpreis als bester ausländischer Film bei den Filmfestspielen von Venedig, ein Golden Globe) prämiert.

Während der 1960er hält Waldleitner, trotz der Entwicklung des Fernsehens als dominantes Medium, ausschließlich an der Produktion von Kinofilmen fest. Der Produzent setzt sich konsequent für die staatliche Förderung des deutschen Films ein und hat maßgeblichen Einfluss am Inkrafttreten des Filmförderungsgesetzes im Jahr 1968. Neben größtenteils weniger anspruchsvollen Filmen, bestehend aus Italo-Western, Komödien und Sex- bzw. Aufklärungsfilmen, veröffentlicht Roxy Film auch die Verfilmung von Stefan Zweigs Roman “Die Schachnovelle” (1960) mit Curd Jürgens, welche wohl als bedeutendste Produktion Waldleitners der 1960er angesehen werden kann.

In den 1970er Jahren erzielt die Roxy großen kommerziellen Erfolg mit Verfilmungen von acht Romanen des österreichischen Bestsellerautors Johannes Mario Simmel, darunter der wohl bekannteste “Und Jimmy ging zum Regenbogen” (1971). Neben kommerziellen Erfolgen hat Waldleitner während der 1970er und 1980er Jahren wesentlichen Anteil an der Verbreitung des deutschen Autorenfilms. Im Unterschied zu vielen anderen Produktionsfirmen setzt sich Waldleitners Roxy Film für das Engagement junger deutscher Filmautoren, mit meist konträrer politischer Gesinnung, ein und lässt ihnen große künstlerische Freiheit. Mitunter produziert Waldleitner in dieser Zeit Filme wie Wolfgang Petersens “Einer von uns beiden” (1974), Hans W. Geissendörfers Oscar-nominiertes Werk “Die gläserne Zelle” (1978), “Sternsteinhof” (1976), “Edith’s Tagebuch” (1983), oder Rainer Werner Fassbinders “Lilli Marleen” (1981).

1979 wird Waldleitner für sein Lebenswerk und Verdienst am deutschen Film mit dem Spezial-Bambi ausgezeichnet. Seinen letzten bedeutenden Erfolg feiert der Produzent mit Caroline Links “Jenseits der Stille” (1996), der neben kommerziellem Erfolg mit mehreren nationalen und internationalen Filmpreisen ausgezeichnet, und für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wird.

Ludwig Waldleitner stirbt am 15. Januar 1998 in Innsbruck.

Filmografie