Margarethe von Trotta

Regisseurin, Drehbuchautorin, Schauspielerin

*21.02.1942  Berlin


Biografie

“Jetzt bestimme ich selbst. Hingeschaut und mitgedacht habe ich schon immer.”

Margarethe von Trotta ist eine deutsche Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin. Ihre Auseinandersetzung mit starken und dennoch innerlich zerrissenen Frauenfiguren sowohl vor als auch hinter der Kamera fand immer wieder international Beachtung.

1942 wird sie in Berlin als Tochter eines Malers geboren. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Düsseldorf. Von Anfang an hat sie ein inniges Verhältnis zu ihrer Mutter, das sich nach dem frühen Tod des Vaters 1951 intensiviert. Nach dem Schulabschluss beginnt Margarethe von Trotta eine Ausbildung an der Handelsschule in Düsseldorf. Bei einem Aufenthalt in Paris kommt sie zum ersten Mal mit dem Film in Berührung und lernt die französische Nouvelle Vague kennen.

Nach ihrem Aufenthalt in Frankreich beginnt Margarethe von Trotta, in München Germanistik und Romanistik zu studieren. Schnell bricht sie das Studium jedoch ab und beginnt eine Schauspielausbildung.

Schon bald gelangt sie mit Filmen von von Rainer Werner Fassbinder (Der amerikanische Soldat, 1970) und von Herbert Achternbusch (Das Andechser Gefühl, 1974) zu Berühmtheit. Den wohl größten Einfluss auf ihre Karriere üben jedoch Volker Schlöndorffs Filme aus.
Durch den Film Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach (1970) sammelt Margarethe von Trotta erste Erfahrungen als Drehbuchautorin an der Seite von Schlöndorff. 1971 heiratet sie Schlöndorff und eine intensive Zusammenarbeit beginnt. Durch Strohfeuer (1972) und Der Fangschuss (1976) steigt sie zu einer der wichtigsten Schauspielerinnen der 70er-Jahre auf.
In beiden Filmen spielt sie eindrucksvolle Frauenfiguren, die zwischen den engstirnigen Anforderungen der Gesellschaft und der eigenen Selbstverwirklichung stehen. Der Umbruch der unruhigen 70er-Jahre zwischen politischem Radikalismus und beginnender weiblicher Emanzipation spiegelt sich unmittelbar in der inneren Zerrissenheit der Figuren wider, die Margarethe von Trotta verkörpert.

Schon bald ist sie für Schlöndorff jedoch nicht mehr nur Schauspielerin, sondern auch Drehbuchautorin und Ko-Regisseurin in Filmen wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) oder „Der Fangschuss“ (1976). Parallel dazu engagiert sie sich für die Emanzipation der Frau. Sie ist strikt gegen den Abtreibungsparagraphen 218, der den Frauen das Recht nimmt, über ihren eigenen Körper zu entscheiden. 1978 klagt sie, gemeinsam mit Alice Schwarzer und Inge Meysel, gegen die sexistische Titelbilddarstellung der Frau in dem Wochenmagazin "Der Stern".

Bald füllt sie die Tätigkeit als Schauspielerin und Drehbuchautorin nicht mehr aus. Margarethe von Trotta will mehr sein: Sie will Filme drehen und Regisseurin sein,
will ihre eigenen Figuren erschaffen und ihre eigenen Geschichten erzählen. Durch den Film Die bleierne Zeit (1981) erlangt sie zum ersten Mal als Regisseurin internationale Bekanntheit. Der Film ist an die beiden grundverschiedenen Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin angelehnt. 1981 erhält sie für “Die bleierne Zeit” den Regie-Preis bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, 1982 das Filmband in Gold.

Laut von Trotta ist der Film eine Synthese ihrer ersten beiden Filme, die bereits Frauen und ihren ganz persönlichen Bezug zur Geschichte und Gesellschaft in Deutschland in den Fokus gerückt haben. Während “Das zweite Erwachen der Christa Klages” (1978) eher die Außensicht auf eine Frau und ihre Beweggründe für einen Banküberfall thematisiert, zeigt “Schwestern oder die Balance des Glücks” (1979) vielmehr die Innensicht und die Psyche der beiden Protagonistinnen.
Spätestens mit “Die bleierne Zeit” entwickelt Margarethe von Trotta eine eigene Handschrift als Regisseurin. Als ehemalige Schauspielerin geht sie von den Figuren eines Films aus, denen dann die Entwicklung der eigentlichen Geschichte folgt. Dabei ist Margarethe von Trotta wie ihre Protagonistinnen immer wieder zwischen den Stühlen: einerseits will sie bewusst Frau sein, andererseits will sie nicht nur auf die damit verbundene Geschlechterrolle reduziert werden.

Neben der Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft bildet auch die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Barbara Sukowa eine Konstante in Margarethe von Trottas Filmschaffen. Nach “Die bleierne Zeit” setzte sie Barbara Sukowa auch in “Rosa Luxemburg” (1986) als Hauptdarstellerin ein.

Im Jahr 1991 lässt sie sich von Volker Schlöndorff scheiden. 1995 erhält sie für Das Versprechen eine Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film. Auch dieser Film ist eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Er porträtiert das Schicksal zweier Liebender, gespielt von Corinna Harfouch und August Zirner, vom Bau der Mauer 1961 bis zu ihrem Fall 1989.

2006 dreht sie den Film “Ich bin die Andere” mit Katja Riemann, August Diehl und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen. 2012 erscheint ihr Film “Hannah Arendt”.
Barbara Sukowa spielte erneut die Hauptrolle in dem Film, der die jüdische Schriftstellerin und ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich zum Thema hat. Der Film wurde beim Deutschen Filmpreis als Bester Spielfilm in Silber ausgezeichnet. Barbara Sukowa erhielt für “Hannah Arendt” den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin.

Margarethe von Trotta ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und der Akademie der Künste. Seit 2004 ist sie Professorin an der European Graduate School in der Schweiz. 2013 wird ihr beim Bayerischen Filmpreis der Ehrenpreis für ihr Lebenswerk verliehen.

Filmografie