Volker Schlöndorff

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent

*31.03.1939  Wiesbaden


Biografie

Volker Schlöndorff ist einer der bedeutendsten und international erfolgreichsten deutschen Regisseure. Bekannt wurde er vor allem durch die Verfilmung des Günter Grass-Romans "Die Blechtrommel" (1979) und der Verfilmung von Heinrich Bölls Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975).

Volker Schlöndorff wird 1939 in Wiesbaden als Sohn eines Arztes geboren. Als Gymnasialschüler nimmt er 1956 an einem Schüleraustausch statt und geht nach Paris. Aus den geplanten zwei Monaten Aufenthalt werden schließlich 10 Jahre. Während dieser Zeit lernt Schlöndorff aus nächster Nähe die gerade aufkommende Nouvelle Vague kennen.

Nach dem französischen Abitur beginnt er, in Paris zu studieren. Sein eigentliches Interresse gilt aber längst dem Film: Regelmäßig besucht er die Cinémathèque française, die durch ihre umfangreiche Filmsammlung auf viele Regisseure der französischen Nouvelle Vague großen Einfluss ausübt. In der Cinémathèque lernt er auch den Nouvelle Vague-Regisseur Louis Malle kennen. 1960 engagiert Louis Malle ihn als Regie-Assisstent in dem Nouvelle Vague-Film "Zazie dans le métro".

Volker Schlöndorffs erster eigener Film ist die 1964 gedrehte Literaturverfilmung „Der junge Törless“. Bereits in seinem ersten Film zeigt sich seine Vorliebe für die Verfilmung von literarischen Werken, denn „Der junge Törless“ basiert auf einem Roman von Robert Musil.

Zwar hat Schlöndorff mit „Der junge Törless“ bereits den Grundstein für seine berühmt gewordenen Literaturverfilmungen gelegt, dennoch zeigt sich bald die Vielseitigkeit des Regisseurs. Mit Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach (1971) verfilmt er eine wahre Begebenheit aus Hessen, die sich im 19. Jahrhundert ereignete. Der Film ist gleichzeitig auch seine erste Zusammenarbeit mit Margarethe von Trotta, die er 1971 heiratet.

Das junge Ehepaar setzt seine 1969 begonnene intensive Zusammenarbeit fort. Schlöndorff setzt Margarethe von Trotta als Schauspielerin unter anderem in Strohfeuer (1972) und Der Fangschuss  (1976) ein. In beiden Filmen wirkt seine damalige Ehefrau jedoch nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Drehbuchautorin mit und beginnt so ihre eigene Karriere als Regisseurin. Während „Strohfeuer“ einen gescheiterten Emanzipationsversuch einer Hausfrau zum Inhalt hat, basiert „Der Fangschuss“ auf einem Roman der französischen Schriftstellerin Marguerite Yourcenar.

1975 gelingt Schlöndorff mit der Verfilmung des Günter-Grass Romans „Die Blechtrommel“ der internationale Durchbruch. Katharina Thalbach, Mario Adorf und David Bennent spielten in dem Film die Hauptrollen. „Die Blechtrommel“ erhielt unter anderem die Goldene Palme in Cannes und 1980 den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Sowohl mit „Die Blechtrommel“ als auch mit „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) gerät Schlöndorff während der 70er-Jahre ins Kreuzfeuer der Politik. Er möchte sich jedoch nicht in politische Kategorien einordnen lassen und verlegt nach der Fertigstellung von „Die Blechtrommel“ seinen Wohnsitz in die USA. Nach dem Fall der Berliner Mauer kehrt er jedoch nach Deutschland zurück.

Nach dem großen Erfolg von „Die Blechtrommel“ widmet sich Schlöndorff weiteren Literaturverfilmungen, wobei er besonders gerne Werke verfilmt, die eigentlich als nicht verfilmbar gelten. 1981 entsteht das Drama Die Fälschung, das von einem Journalisten und seiner Kriegserfahrung im Libanon handelt. Bruno Ganz und Hanna Schygulla übernehmen dabei die Hauptrollen. Außerdem verfilmt er 1984 basierend auf Marcel Prousts gleichnamigem Roman Eine Liebe von Swann mit Jeremy Irons und Ornella Muti in den Hauptrollen.

1991 entsteht mit Homo Faber eine weitere Literaturverfilmung, in der dieses Mal die französische Schauspielerin Julie Delpy sowie Sam Shepard und Barbara Sukowa die Hauptrollen verkörpern. Im selben Jahr lassen sich Volker Schlöndorff  und Margarethe von Trotta scheiden.

1992 heiratet er die Filmeditorin Angelika Gruber, mit der er eine Tochter hat. 2011 wird auf der Berlinale sein Film „Das Meer am Morgen“ uraufgeführt. In dem Drama, das während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich spielt, widmete Schlöndorff seinem Freund Heinrich Böll eine Hommage, indem er Böll als Figur in das Drehbuch integrierte.

Volker Schlöndorff war von 1992 bis 1997 Geschäftsführer der Filmstudios Babelsberg. Er arbeitet als Dozent für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin.

2014 war Schlöndorff gleich zweimal auf der Berlinale als Regisseur vertreten. Zu sehen war seine Verfilmung von Bertolt Brechts gleichnamigem Theaterstück „Baal“ (1969) und seine neuste Regiearbeit „Diplomatie“. Das Psychodrama thematisiert den Entscheidungsprozess des deutschen Stadtkommandanten von Paris, Dietrich von Choltitz, am 25. August 1944. Soll er Hitlers Befehl folgen, Paris wenn nötig bis zur vollkommenen Zerstörung zu verteidigen?

Filmografie
Regie